Nicht erst auf deutliche Beschwerden warten
Zahnerkrankungen kommen beim Pferd häufig vor. Gleichzeitig zeigen viele Tiere lange keine klaren Symptome. Sie verändern ihr Kauverhalten, wählen Futter anders aus oder kompensieren schmerzhafte Bereiche, ohne dass es im Alltag sofort auffällt.
Für viele Pferde ist mindestens eine jährliche Maul- und Zahnuntersuchung sinnvoll. Das passende Intervall richtet sich jedoch nach Alter, Zahnstatus und bekannten Veränderungen. Jungpferde im Zahnwechsel, Senioren und Pferde mit bestehenden Befunden können engmaschigere Kontrollen benötigen.
Diese Warnzeichen gehören abgeklärt
Ein einzelnes Zeichen beweist noch kein Zahnproblem. Treten Veränderungen neu auf oder nehmen sie zu, sollte die Ursache dennoch zeitnah untersucht werden.
- Futter fällt beim Kauen aus dem Maul oder wird zu kleinen Röllchen geformt
- langsames Kauen, Speicheln oder auffälliger Maulgeruch
- Gewichtsverlust oder größere unzerkaute Futterbestandteile im Kot
- einseitiger Nasenausfluss oder Schwellungen am Kopf
- Abwehr beim Auftrensen, Kopfschlagen oder plötzlich veränderte Anlehnung
Eine Zahnkontrolle ist mehr als ein kurzer Blick
Am Anfang stehen Vorbericht und Allgemeinuntersuchung. Danach werden Kopf und Kaumuskulatur beurteilt und die gesamte Maulhöhle systematisch untersucht. Ein Maulgatter, gute Beleuchtung sowie Spiegel oder Endoskop machen auch weiter hinten liegende Bereiche sichtbar.
Je nach Befund können Röntgenaufnahmen oder weitere Diagnostik notwendig sein. Eine Sedierung ermöglicht häufig eine sichere und vollständige Untersuchung; ob sie gebraucht wird, entscheidet die Tierärztin oder der Tierarzt individuell.
Kontrolle bedeutet nicht automatisch Korrektur
Das pauschale jährliche „Zähnemachen“ greift zu kurz. Zuerst kommt die genaue Befundung. Nur wenn es medizinisch sinnvoll ist, wird Zahnsubstanz gezielt und möglichst schonend korrigiert. Scharfe Schmelzkanten, ungleichmäßiger Abrieb, entzündete Zahnzwischenräume, Frakturen oder lockere Zähne brauchen jeweils ein anderes Vorgehen.
Gerade bei älteren Pferden ist ein individueller Plan wichtig. Altersbedingte Veränderungen lassen sich nicht einfach wegschleifen; oft geht es darum, Schmerzen zu vermeiden, Fütterung anzupassen und vorhandene Zahnsubstanz zu erhalten.
Fachliche Grundlagen
